Probleme bei der Druchführung

Die erste Akzeptanzkontrolle

Zur Durchführung wurden beidseitig entlang der Schutzanlage auf ca. 3,6 km mobile Fangzäune mit ca. zweihundert Fangeimern aufgestellt. Die bodentief eingegrabenenn Eimer wurden täglich von einem Biologenteam kontrolliert und die darin gefangenen Tiere nach Art, Alter und Geschlecht gezählt. So entsteht über die Wandersaison hinweg ein Bild davon, welche und wie viele Tiere die Unterführungen nutzen — und welche nicht.

Die vielen Tausend Amphibien, die 2019 dort noch erfasst wurden, die mehrere Kilometer lange Strecke sowie die zahlreichen bodentief eingegrabenen Fangeimer stellten eine kaum zu bewältigende Aufgabe dar. Nach meiner Einschätzung war die Dimension der Anlage in Verbindung mit der großen Zahl der Tiere organisatorisch nur schwer zu bewältigen. Das Erfassen der Tiere an jedem einzelnen Fangeimer nahm erheblich Zeit in Anspruch.

Tierquälerei

Von Tierquälerei spricht man, wenn Schutzmaßnahmen für Amphibien in der Praxis zu schweren Leiden oder Todesfällen führen.
An dieser Anlage musste ich folgendes beobachten:

  • An stark frequentierten Abschnitten der Anwanderung wurden zu wenige Fangeimer installiert, sodass diese schnell überfüllt waren. Dort wurden die Tiere durch die stundenlange Strampelei verbraucht. Manchmal kamen auch noch Mäuse hinzu, die ums Überleben kämpften. Panik und Stess im Amphibieneimer!

    Die Leerung erfolgte ein Mal am Tag. Die Tiere mussten bis zu 17 h stampelnd und zappelnd aushalten. Wenn Nachzügler in die Fangeimer fielen, konnten es auch bis zu 24 h Eimeraufenthalt sein.
  • An Spitzentagen der Amphibienwanderung mussten teilweise ca. 70 Tiere über viele Stunden in kleinen Eimern ausharren, oftmals bis zum Spätnachmittag. Die Tiere verletzten sich gegenseitig oder ertranken.
  • Krötenweibchen wurden in überfüllten Eimern von mehreren Männchen bestiegen, wodurch die Weibchen unter Wasser gedrückt werden und nicht mehr atmen konnten.
  • Das Wasser in den Fangeimern war nach einiger Zeit stark verschmutzt und wies bereits von weitem einen unangenehmen Geruch auf. Unter solchen Bedingungen kann sich die Keimbelastung deutlich erhöhen, wodurch das Risiko von Erkrankungen oder Pilzinfektionen für die Amphibien steigt. Ein regelmäßiger Wasseraustausch in den Fangeimern war nicht vorgesehen.
  • Frösche wurden zur Markierung mit zu engen Gummiringen versehen, die laminierte Schildchen mit scharfen Kanten und Ecken ! trugen. Dies hätte zu Entzündungen führen können. Ringe, Gummi und Laminat waren aus Kunststoff, also unverrottbar.
  • Nach der Entnahme aus den Fangeimern und der Erfassung wurden die Amphibien in sogenannte Tagesverstecke verbracht. Eine Kuhle, die mit schweren schwarzen Matten abgedeckt war. Dort mussten die Tiere tagsüber bei hohen Außentemperaturen ausharren.

    Beim Zurücklegen der Matten bestand die Gefahr, dass darunter befindliche Amphibien verletzt oder getötet wurden. Bei starker Sonneneinstrahlung konnten sich die Matten zudem fest an den Boden anlegen, sodass Tieren das Verlassen des Tagesverstecks erschwert oder unmöglich wurde. Bei Regen liefen die Kuhlen voll Wasser.

    Im unmittelbaren Umfeld der Tagesverstecke fehlten weitgehend natürliche Rückzugsmöglichkeiten; die Umgebung war durch intensiv landwirtschaftlich genutzte Flächen geprägt.

    Erst später wurden die schwarzen Matten mit einer weißen Kunststofffolie umhüllt, um die Erwärmung zu verringern. Stöcke wurden unter die Matte gelegt um einen Ausstieg sicherzustellen.
Laboranalyse mit Keimbelastung
  • Unter den Matten teilten sich Amphibien oft ihren Lebensraum mit Ameisen- oder Mäusenestern, was zu Angriffen auf die Amphibien führte und zusätzlichen Stress verursachte.
  • Durch jahrzehntelanges Monitoring, die Akzeptanzkontrolle und die damit verbundenen undurchlässigen Plastikzäune wurden die Amphibien über längere Zeit daran gehindert, in ihre Winterquartiere zurückzukehren. Viele Tiere vertrockneten vermutlich direkt vor der Anlage, da es kein Durchkommen und keinerlei Rückzugsmöglichkeiten gab. Besonders in der prallen Sonne ab Mittag bis zum Sonnenuntergang bestand ein dauerhaftes Überlebensrisiko.
  • Jungamphibien hatten keine Chance, ihr Winterhabitat zu erreichen. Die Sperrzäune waren verschlossen, aus den Eimern konnten sie herauskrabbeln und sie vertrockneten vermutlich.
  • Ersatzlaichgewässer standen jahrelang nicht zur Verfügung, sodass die Amphibien keine Chance auf erfolgreiche Fortpflanzung hatten. Ohne Nachwuchs kann der Bestand nicht gehalten werden !
Toter Frosch mit Markierung Gummiring
Sammelstelle für Amphibien

Geben Sie den Amphibien eine Stimme!

Schauen Sie genau hin, wenn Amphibienschutzmaßnahmen umgesetzt werden. Lassen Sie sich erklären, was getan wird, aus welchem Grund und auf welche Weise. Beobachtungen und mögliche Missstände sollten offen angesprochen werden, denn nur so kann ein wirksamer Schutz der Tiere gewährleistet werden.

Fangeimer sind als Lebendfallen einzustufen und dürfen nur unter strengen Auflagen betrieben werden. Dazu gehört insbesondere eine regelmäßige Kontrolle, auch an Wochenenden und Feiertagen. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Tiere keinen vermeidbaren Belastungen ausgesetzt sind.