Schutzanlage Ortsumfahrung Weßling
Dokumentierter Missstand

Tödlicher Beton

Die Leiteinrichtung der Amphibienschutzanlage besteht aus Beton

In einer sehr warmen Julinacht konnte ich beobachten, dass die Leiteinrichtung eine tödliche Falle für Jungfrösche, Hüpferlinge und Molche darstellte. Beton weist hygroskopische Eigenschaften auf und nimmt Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft auf. Nach meiner Einschätzung stehen die nachfolgend aufgeführten Auffälligkeiten in ursächlichem Zusammenhang damit:

  • Jungfrösche springen mit ihrer feuchten Haut an die Senkrechte der Leiteinrichtung und bleiben augenblicklich haften. Sie können sich nicht mehr lösen und vertrocknen.
  • Molche wurden auf der Laufsohle beobachtet, deren Beweglichkeit eingeschränkt erschien; die Tiere waren voller Betonstaub zeigten Anzeichen von Austrocknung und bewegten sich nicht mehr.
  • Auch Schnecken blieben nach kurzer Zeit stehen, klebten fest und vertrockneten.
  • Krötenhüpferlinge bleiben mit ihren Extremitäten auf der Laufsohle hängen. Auch sie vertrockneten.
  • Bei Tagesanbruch waren die verendeten Tiere verschwunden. Sie wurden von Vögeln und anderen Prädatoren gefressen.
Durchgeführte Maßnahme

Die gesamte Leiteinrichtung wurde auf beiden Seiten hydrophobiert. Das heißt, sie wurde mit einer wasserabweisenden Flüssigkeit besprüht. Seither gab es keine Beobachtungen mehr von festklebenden Tieren.

Junger Springfrosch, der an der Senkrechten der Leiteinrichtung klebt

Junger Springfrosch, der an der Senkrechten der Leiteinrichtung klebt

Vertrockneter Springfrosch

Vertrockneter Springfrosch

Hüpferlinge bleiben auf der Laufsohle kleben

Zwei junge Springfrösche kleben an der Senkrechten der Leiteinrichtung

Zwei junge Springfrösche kleben an der Senkrechten der Leiteinrichtung

Dokumentierter Missstand

Giftige Durchlässe

Frischer Beton enthält viel Kalk. Wasser, das durch Beton fließt oder ihn durchfeuchtet, kann stark alkalisch werden und einen stark erhöhten pH-Wert aufweisen.

pH 9–11+
Gemessene Alkalität in den Durchlässen Ab pH 9 beginnt Ammoniak für Amphibien toxisch zu werden. Ein pH-Wert von 11 entspricht dem von Haushaltsreinigern.
  • Kalkauswaschung aus dem Neubeton macht das Wasser dauerhaft stark basisch
  • Messwerte von pH 9 bis über 11 dokumentiert — weit über dem für Amphibien verträglichen Bereich (pH 6–8)
  • Entwässerungsschläuche von der Fahrbahn werden fälschlicherweise in die Amphibiendurchlässe geleitet — damit gelangen Straßenschadstoffe, Reifenabrieb und Öle direkt in den Wanderbereich der Tiere
  • Die Kombination aus Kalkauswaschung und Straßenwasser macht die Durchlässe zu einer chemischen Belastungszone
Durchgeführte Maßnahme

Austausch des Bodensubstrats in den Durchlässen.

Überfluteter Durchlass Frosch muss durch Durchlass schwimmen
Dokumentierter Missstand

Überflutete Durchlässe

Die Amphibienschutzanlage wurde auf einem lehmigen, kaum wasserdurchlässigen Untergrund errichtet. Zudem wurden die Durchlässe direkt im Grundwasserbereich eingebaut. In der Folge ist eine ausreichende Entwässerung der Durchlässe nicht möglich.

  • Wichtige Durchlässe stehen zur Wanderzeit im Wasser, eine Durchquerung zu den Laichgewässern ist nicht möglich
  • Stark erhöhte Alkalität im Wasser

Wussten Sie, dass die Jungfrösche, wenn die Metamorphose abgeschlossen ist und sie an Land gehen, nicht schimmen können!
Adulte und Jungtiere können solche Durchlässe nicht passieren.

Maßnahmen zur Abhilfe

Durch eine Spülbohrung wurde ein Schluckbrunnen hergestellt, der die Durchlässe nun entwässert.

Dokumentierter Missstand

Entwässerung in Durchlässe

Das Niederschlagswasser aus der Straßenentwässerung ist ökologisch belastend und insbesondere für die empfindliche Haut von Amphibien ungeeignet. Es transportiert Schadstoffe wie Ölreste, Reifenabrieb, Bremsstaub, Streusalz und weitere Chemikalien direkt in die Durchlässe. Dort können sich die Schadstoffe im Boden ablagern und Amphibien so schädigen, dass dies zu ihrem Tod führt.

Weßling Umgehungsstraße Entwässerung
Dokumentierter Missstand

Unüberwindbare Hindernisse

Beim Bau der Trasse wurden Steinschüttungen leider an besonders starken Wanderstrecken errichtet, die es vorher nicht gab. Die Amphibien müssen diese Steilhänge überwinden, um zur Tunnelöffnung zu gelangen. Nach meinen Beobachtungen scheitert dies an der Weßlinger Ortsumfahrung wegen der Geländesituation.

57 %
Gefälle am dokumentierten Steilhang 8 Meter Höhenunterschied auf nur 14 Metern Strecke — für Erdkröten, Molche und Frösche unpassierbar.

Maßnahmen zur Abhilfe

Spritzbetonrampen am Fuße der Steinschüttungen zum leichteren Aufstieg

Amphibien können nicht über Hindernisse
Dokumentierter Missstand

Leere Ausgleichsgewässer

  • Ausgleichsgewässer für Amphibien müssen zum Zeitpunkt des Eingriffs ihre ökologische Funktion bereits erfüllen.
  • Nach der Eröffnung der Umgehungsstraße im Jahre 2016 waren die vier Ausgleichsgewässer entweder dauerhaft trocken oder sie hielten das Wasser nur vorübergehend. Soweit sich Wasser ansammelte, fielen die Gewässer spätestens kurz vor dem Landgang der Amphibien trocken. Damit gab es über viele Jahre hinweg keinen Nachwuchs im Amphibienbestand.
  • Diese Gewässer hätten vor dem Bau der Trasse bereits angelegt und funktionsfähig sein müssen. Die angewandte Bauweise der Teiche erwies sich als ungeeignet zur dauerhaften Wasserspeicherung.
  • Während der Wanderzeit der Amphibien wurden unter Einsatz schweren Baugeräts drei Laichgewässer im Jahr 2019, sowie ein weiteres Laichgewässer im Jahr 2025 saniert. Die als Ausgleich vorgesehenen Laichgewässer standen den Amphibien somit erst mit einer Verzögerung von fünf bzw. elf Jahren zur Verfügung.
  • Das wichtigste Ziel im Amphibienschutz ist die Sicherung einer erfolgreichen Reproduktion. Ein Amphibienbestand kann langfristig nur erhalten werden, wenn die Fortpflanzung erfolgreich verläuft und die Jungtiere ihre Laichgewässer ungehindert verlassen, sowie ihre Sommer - und Winterlebensräume sicher erreichen können. Nur wenn ausreichend Jungtiere bis zur Geschlechtsreife überleben, kann sich der Bestand dauerhaft erhalten.
5 bzw. 11 Jahre

Kein Nachwuchs in den Ausgleichsgewässern

Behebung des Misstands

Im Jahr 2019 wurden drei Ausgleichsgwässer neu angelegt.
Im Jahr 2025 wurde auch das vierte Laichgewässer noch einmal neu angelegt.

Ausgetrocknetes Ausgleichsgewässer
Dokumentierter Missstand

Radweg im Winterdienst gestreut

Ein mit Streusalz gestreuter Radweg kann für Amphibien auf ihrer Wanderung zu einer Todesfalle werden.

  • Streusalz entzieht den Amphibien Wasser, was sie austrocknen lässt.
  • Schädigung der Haut.
  • Der Elektrolythaushalt gerät durcheinander, was lebenswichtige Prozesse stört.
Durchgeführte Maßnahme

Der Winterdienst der Gemeinde stoppt die Nutzung von Streusalz zu Beginn der Wanderung.

Dokumentierter Missstand

Mangelhafte Verfugung der Leitsteine

Eine mangelhafte Verfugung kann dazu führen, dass sich Tiere in den Spalten aufhalten. Dies kann eine verlängerte Verweildauer im Bereich der Schutzanlage zur Folge haben.

Eine erhöhte Verweildauer an der Anlage führt zu einer höheren Gefahr von Fressfeinden gefressen zu werden.

Durchgeführte Maßnahme

Die Verfugungen sollen 2026 überarbeitet werden

Falsche Verfugung